Archiv | Mai, 2010

Vollendete Vergangenheit

29 Mai

Vollendete Vergangenheit

bloß

24 Mai

du bloß
bloß
ich ganz
nackt

ich
steh dazu

Text: BennoP

Piloten

23 Mai
Piloten

Foto: PhotoStocker

Unterhalten sich ein russischer, ein amerikanischer und ein deutscher Pilot.

Der Russe protzt:
„Bei uns haben wir so große Flugzeuge, dass wir problemlos die ganze Mannschaft des Bolschoi-Theaters mit einer Maschine ausfliegen könnten.“

Der Amerikaner hält dagegen:
„Das ist doch gar nichts! Mit einer unserer Boeings könnten wir alle US-Marines auf einmal zum Einsatz fliegen.“

Die beiden schauen den Deutschen an, der aber schweigt.

„Ihr in Deutschland habt wohl nicht so große Flugzeuge?“, fragt der Ami.

„Ich bin mir nicht sicher“, antwortet der Deutsche. „Ich kann das nicht so einfach einschätzen. Aber ich will euch dafür von meinem letzten Flug erzählen. Da habe ich nämlich plötzlich so ein seltsames Geräusch gehört. Also sage ich zu meinem Co-Piloten, er solle mal in der linken Tragfläche nachsehen.

„Da müsstest du aber gute Ohren haben, wenn du das hören willst“, sagt der zu mir. Aber ich war mir sicher, dass da etwas war. Also stieg er in den VW und fuhr los.

Nach einer halben Stunde kommt er zurück und sagt, mit der linken Tragfläche sei alles in Ordnung. Also sag ich, er soll in der rechten nachsehen. Er wieder in den VW, kommt nach einer halben Stunde zurück und sagt, da wäre auch nichts.

„Dann schau doch mal ins Heck!“

Er ist schon ein bisschen ärgerlich, aber ich sage: „Da ist bestimmt was. Darfst auch den Porsche nehmen! Er freut sich und fährt los. Als er nach eineinhalb Stunden nicht zurück ist, denke ich schon, er hat sich verfahren. Aber endlich, nach zwei Stunden, ist er wieder da.

„Alle Achtung, du hast echt gute Ohren!“
„Was war es denn?“, frage ich.
„Ganz hinten auf der letzten Toilette war ein Fenster auf. Da ist eine amerikanische Boeing reingeflogen und immer um die Lampe gekreist.“

Was man so alles vergessen kann

22 Mai

Im Studentenkeller Rostock, wo ich als DJ auflege, erlebt man ja so einiges, was die Vergesslichkeit der Gäste betrifft. Mützen, Schals, Handschuhe, na klar. Auch schon mal eine Handtasche.

Etwas seltsam wird es schon bei Socken oder Schuhen. Auch Unterwäsche hat sich schon angefunden. Mancher hat sich auch schon selbst vergessen.

Neulich aber war das Staunen wirklich groß. Als alle Gäste die Lokalität verlassen hatten, fand sich ein verwaister Rollstuhl unter den Vergesslichkeiten.

Die Besitzerin hatte ihn beim Einlass abgegeben, da sie sich auch ohne ihn fortbewegen kann, was ihr im Gedränge sicherlich leichter fiel. Doch auf dem Weg nach Hause, hatte sie ihn ganz aus ihrem Gedächtnis verbannt. Erst ihre Freunde tauchten etwas später noch einmal auf, um das Gefährt abzuholen.

Der Kuss

21 Mai

Der Kuss

Ein Kuss ist eine Sache, für die man beide Hände braucht.

Mark Twain

Da köchelt was

20 Mai

Einer der Kandidaten in der Küchenschlacht (TV-Kochshow) antwortet, ohne überlegen zu müssen, auf die spontane Frage von Johann Lafer, was er tun würde, wenn er einen Tag lang Bundeskanzlerin wäre:

„Zurücktreten!“

Ein Traum von einem Mann

19 Mai

„Kann ich dir behilflich sein?“
„Nein, lass nur, Schatz. Ich habe dir versprochen, für dich zu kochen. Und die Zubereitung geht schnell.“ Vincent spürte Isabells Hand im Nacken. „Ich muss vorsichtig sein, Schatz. Schließlich hantiere ich hier mit einem ziemlich großen Messer.“ Er drehte den Kohlkopf zurecht und teilte ihn mit drei kräftigen Schnitten in Viertel.

„Ich kann es kaum noch abwarten“, flüsterte ihm Isabell ins Ohr.
„Hast du so großen Hunger?“
„Das auch.“
Vincent lachte. „Du hast dir Schmorkohl gewünscht, als ich dir erzählte, dass ich ihn immer für meine Mutter koche.“
Isabell strich ihm mit den Fingerspitzen durchs Haar und küsste ihn sanft auf den Hals. Dann schmiegte sie sich an ihn, während er den Strunkansatz aus den Kohlvierteln entfernte und diese dann in feine Streifen schnitt.

„Begleitest du mich zur Spüle, Bell?“
Er wusch die Streifen in einem Sieb unter fließendem Wasser. Dabei spürte er Isabells zarte Hände unter seinem Shirt. Sie streichelte ihm erst den Rücken, dann presste sie ihren schlanken Körper gegen den seinen und spielte mit seinen Brustwarzen.
Vincent genoss es, ihren festen Busen im Rücken zu spüren und spülte den Kohl etwas länger als gewöhnlich. Die Wärme ihrer Hüften übertrug sich auf ihn. Er musste sich zusammenreißen, sollte es heute noch etwas zu essen geben.
Ein Spritzer mit dem kalten Wasser genügte, um Bell von ihm zu trennen. Vincent drehte das Wasser ab und schlüpfte an ihr vorbei zum Herd.

Er heizte die Kochplatte auf starker Hitze an, stellte eine große Schmorpfanne darauf und goss Sonnenblumenöl hinein. „Das wird eine heiße Sache.“
„Du bist heiß“, hauchte Isabell und steckte ihre Hand unter seiner Mickey-Maus-Schürze in seine Hose.
Unter dem Spiel ihrer Finger reckte sich sein Glied in die Höhe. Die Hitze stieg ins Unerträgliche. Der Kohl musste in die Pfanne.

Während er kräftig rührte, erhitzte Vincent eine zweite Pfanne. Isabell schob ihn ein Stück vom Herd weg und kniete sich vor ihm hin.
„Vorsicht, Schatz, das könnte spritzen.“
„Soll es doch“, erwiderte sie, schob ihren Kopf unter die Schürze und zog an dem Reißverschluss.
Reis wäre auch eine Alternative gewesen, dachte Vincent und kippte das Gehackte in die zweite Pfanne.

Der kräftige Geruch des Fleisches mischte sich unter den deftigen Kohlgeruch. Außerdem duftete es nach Isabells Parfüm und seinem Schweiß. Hier vereinen sich meine beiden Leidenschaften, dachte er und gab das Fleisch zum Kohl.

Beim Würzen ging einiges daneben, denn Zunge und Zähne Isabells schmeckten sein Glied nach allen Regeln der Kunst ab. Vincent musste sich am Herd festhalten, was es ihm nicht leicht machte, die dritte Pfanne anzuheizen. Glücklicherweise hatte er die gekochten Kartoffeln bereits geschält und in Scheiben geschnitten bereit stehen.

Vincent betrachtete Isabell von oben. Ihr Rücken bog sich in einer perfekten Rundung zu dem traumhaften Ansatz ihres süßen Hinterns, der aus ihrer Jeans hervorlugte. Der Anblick des auf der Schulter liegenden kastanienbraunen Haars entführte seine Hand vom Regler am Herd. Wie in die Wogen des Meeres tauchten seine Finger in die Wellen ihres Schopfes. Isabell tauchte auf, riss ihm das Shirt mitsamt der Schürze vom Leib und kostete die Knospen seiner Brust. Vincent hantierte an ihrer schmalen Taille vorbei mit den Pfannen.

Isabell erschrak, als er den Schmorkohl mit Brühe aufgoss. Ein kurzes Zucken nur, ein Augenblick des Erschauerns, dann berührten sich ihre Lippen. Der süße Geschmack verlieh den Düften, die vom Herd aufstiegen, eine eigenartige Note.

Vincent hatte jetzt die Hände frei. Er drängte Isabell zu der kleinen Eckbank. Sie ließen sich fallen.
„Du bist der Größte, Vincent. Ein wahrer Traum von einem Mann.“

Es klingelte. Vincent sprang auf, Isabell verschwand aus der Küche.
„Nicht jetzt“, stöhnte Vincent. Er zog sich das Shirt wieder an, zog den Reißverschluss der Hose zu, warf einen prüfenden Blick in die Pfannen und ging zur Wohnungstür.

„Hallo, Vincent.“
„Hallo, Mutter. Du bist zu früh.“
„Ist das Essen noch nicht fertig? Oder hast du etwa Besuch?“ Frau Lone schaute ihn prüfend und zugleich hoffnungsvoll an.
„Ja … ich meine, nein. Ich meine: Ja, das Essen ist gleich fertig, nein, ich habe keinen Besuch.“
Frau Lone seufzte. „Du hast wohl wieder geträumt, was?“

 
 
Text: Philipp Bobrowski
Coverillustration: Lukyanov Mikhail