Archiv | Januar, 2010

Rausch

30 Jan

Der Bass dröhnt. Die Mitten bassen. Die Höhen schreien mit dem Publikum. Kein Schall mehr in den Ohren, nur noch Rausch. Schall und Rauch auch die Namen. Sind sowieso nicht zu verstehen.
„Anne.“ – „Wie?“ – „Hanne.“ – „Waaas?“ – „Suuuusanne!“ – „Willst was trinken, du Tanne?“ – „Hab schon.“ – „Was?“ – „Long Island.“ – „Zwei Long Island.“
„Hier, Baby, jetzt sind wir reif für die Insel.“ – „Hast du ne Scheibe?“ – „Wieso? Willst du dir eine abschneiden?“
Ach, lass die Alte sausen. Auch andere Mütter haben schöne Töchter. Die da hat bestimmt schon fünf. Und noch keine zur Welt gebracht.
Ich muss noch was in Gang bringen.
Die Mucke bringt mich auf die Palme. Hab aber keinen Urlaub mehr, deshalb bring ich es auf den Punkt, die Frauen auf Touren und den kleinen Mann unter die Haube. Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Ich, jedenfalls, bin guter Hoffnung. Ich gehe mit dem Gedanken schwanger, mir noch einen Drink zu kaufen, rausche an die Bar. Da schläft einer seinen Rausch aus.
Ich drück ihn weg. Er druckst nur rum und schnarcht weiter. Dafür lächelt die Barfrau. Ich nehme es für bare Münze, weiß, jetzt lächelt mir das Glück.
„Dein Lächeln berauscht mich. Es nimmt mich mit in berauschende Höhen, wo im Rausch ich schwinge, bar jeder Vernunft in der Vorstellung dich bar deines rauschenden Kleides zu sehen.“ – „Schuster, bleib bei deinen Leisten“, sagt sie. – „Deine gefallen mir aber besser.“ – „Hier gibts nur Getränke, die rauschen auch.“ – „Jim Beam.“ – „Pur?“ – „Purpur.“ Barzahlung. Und gleich noch einen.
Es rauscht wirklich. Es geht drunter und drüber. Ich muss noch irgendwo unterkommen.
„Bist du mit dem Auto da?“ – „Klar. Sag mal, hast du einen fahren lassen?“ – „Logisch. Will doch was trinken.“ – „Du bist ja echt witzig.“ – „Kennst du einen Witz?“ – „Ja. Aber nur mit sooo einem Bart.“ – „Kenn ich nicht.“
Die Flashlights blitzen. Ich blitz ständig ab. Steh mir die Beine in den Bauch, jemand quatscht mir ein Loch dazu. Bekomme Bauchschmerzen. Renn aufs Klo und übergebe mich in der Kabine völlig meinem Rausch.

 

Text: Philipp Bobrowski
Coverfoto: Rainer Sturm / PIXELIO (www.pixelio.de)

Scherze im Abspann

27 Jan

Auf SFT werden die originellsten Abspänne der Filmgeschichte vorgestellt. Beispiele gefällig?

Die Darsteller aus „Ritter aus Leidenschaft“ machen sich Luft.

Die einzige Szene Nick Furys alias Samuel L. Jackson im Film „Iron Man“ ist diese im Abspann:

Ben Stiller tanzt am Ende von „Dodgeball“ mit Brustprothese:

Weitere Szenen

Nachbars Kaninchen

23 Jan

Foto: Nikolai Tsvetkov

Herr Hase sitzt in seinem Garten,
Beschienen von der Sonne Licht,
Wohl hinterm Haus will er erwarten
Der Woche Ende ohne Pflicht.

Zu seinen Füßen schläft besonnen,
Ja friedlich gar in seiner Pracht,
Obgleich noch nicht der Tag verronnen,
Sein Schäferhund, als wär es Nacht.

Herrn Hases Hand in sanften Kreisen
Dem Hasso übern Nacken kraucht,
Die andre lässt er nicht verwaisen,
Mit der er still sein Pfeifchen raucht.

So geht es Stunden, bis dem Hunde
Der Schlaf von seinen Gliedern fällt,
Er reckt und streckt sich, läuft ne Runde,
Sodann er einmal kräftig bellt.

Schnüffelnd stiehlt er sich von dannen,
Mit Schwanzes Wedeln er markiert
Die Gartengrenze bei den Tannen,
Herr Hase ahnt nicht, was passiert.

Da! Nun ist der Hund verschwunden!
Hassos Herrchen ist entsetzt.
Hase leidet Schrecksekunden,
Ist er übern Zaun gehetzt?

Hasso! ruft er seinen Köter
Ein- und zwei- und noch einmal,
Flucht auf diesen Schwerenöter,
Der bereitet solche Qual.

Hase wollte schon ermüden,
Doch endlich sieht er voller Glück
Aus Nachbars Garten seinen Rüden,
Der reuig kehrt zu ihm zurück.

Herr Hase spürt die Wut verhallen,
Als er sich nach der Pfeife bückt,
Die ihm aus seinem Mund gefallen,
Als der böse Hund entrückt.

Macht sich bereit ihn zu empfangen,
Den Hasso, der in voller Jagd
Gelaufen kommt, doch oh welch Bangen,
Als Hase sich die Frage fragt:

Was trägt er da, was muss ich wähnen?
Ich seh es doch in seinen Zähnen!
Zwei lange Ohren gar nicht munter
So hängen sie zur Erde runter,

Aus Hassos Maul, der Übeltäter,
Herr Hase schimpft ihn: Du Verräter,
Was mir jetzt von Herrn Hammer droht!
Doch es versteht nicht seine Not

Der Hund, der folgsam apportiert
Nur heimlich, still und leise giert
Nach des Kaninchens zartem weißen
Fleisch, derweil beginnt zu gleißen

Die Stirn von unserem Herrn Hase,
Verzweifelt reibt er seine Nase,
Weil er so gar nicht auf die Schnelle
Sich Rat weiß, hört nicht das Gebelle,

Denn während er den Hund versohlt,
Nur langsam, kriechend sich erholt
Sein arg gestresster Sachverstand,
Doch schließlich schmerzt ihn seine Hand.

Er lässt sich auf die Knie nieder,
Nicht um zu beten, nein schon wieder
Fiel seine Pfeife in die Wiese,
Zum Denken aber braucht er diese.

Sag ich’s oder sag ich’s nicht
Herrn Hammer, wenn er zu mir spricht?
Soll ich vielleicht zu ihm gehen?
Am besten lass ich mich nicht sehen.

So grübelt er, es dunkelt bald,
Er fühlt sich alt und ihm wird kalt,
Dann fasst er schließlich den Entschluss,
Weil er sich doch entscheiden muss,

Er trägt’s Kaninchen ohne Graun
an seinen Ohren zu dem Zaun,
Steigt rüber in des Nachbars Garten,
Herr Hammer wird ihn nicht erwarten.

Zufrieden und mit einem Lächeln
Kommt er von seiner Tat nach Haus,
Vom Bett aus hört er Hasso hecheln,
Und knipst beruhigt die Lampe aus.

Am andern Morgen winkt Herr Hammer
Ihm freundlich zu und lacht sogar
Und lädt ihn ein in seine Kammer,
Da hat er eine kleine Bar.

Herr Hase, es ist kaum zu glauben,
Was ich Ihnen erzählen will,
Doch würd ich es mir nicht erlauben,
Zu scherzen, wär es auch April.

Bei den Karnickeln, die wir haben,
Fand ich heut Fritzi tot im Stall,
Den hatt ich gestern schon begraben.
Das Pfeifchen fällt mit lautem Knall.

Der Wilderer

13 Jan
Foto: Konjushenko Vladimir

Foto: Konjushenko Vladimir

Da ist der Jäger. Der stellt in seinem Wald schon seit Jahren dem Wilderer nach und kriegt ihn nie.
Eines Tages liegt er wieder auf der Lauer, da läuft ihm der Wilderer direkt vor die Flinte. Der Jäger springt aus seinem Versteck und ruft: „Ha! Jetzt hab ich dich!“
„Mich? Wieo mich?“, fragt der Wilderer.
„Tu nicht so. Du bist der Wilderer, ich weiß es ganz genau!“
„Ich, der Wilderer? Ich geh hier nur so spazieren.“
„Ach, und was hast du da auf deiner Schulter?“, fragt der Jäger.
Der Wilderer guckt und ruft: „Iiiiihhh, ’n Reh!“

Spruch der Woche: Ansprüche

10 Jan

Harmonisches Zusammenleben ist gar nicht schwer wenn Männer endlich erkennen, dass sie ein klein wenig ihrer Ansprüche zurückschrauben müssen!

Actros Weblog

Zur schmunzelbaren Herleitung dieser Weisheit